ein großer begehbarer Raum aus roten Stoffbahnen
eine Blechtröte innerhalb des Raumes. Aus ihr ertönt flüsternd eine weibliche Stimme.

Was sehen Sie, Frau Lot?

2001
Installation / Stoff, Metall, CD, Lautsprecher / H 330 x B 400 x L 400


Die Arbeit von M.M. besteht aus roten Stoffbahnen, bemalt + geflämmt (d.h. angebrannt),  hängen als Bahnen an einem Edelstahlgestänge 400 x 400 cm herunter + bilden  - mit Ausnahme eines schmalen Eingangs, einen geschlossenen Raum. In dessen Mitte hängt an einer Kette eine Alu-Flüstertüte in Kopfhöhe herab. Hält eine ihr Ohr an die Flüstertüte, so kann sie aus einem darin befestigten Tonband das Gedicht von mir: `Komm Mama, erzähl von der Scham` hören. Es läuft in einer Endlosschleife, jedoch so leise, dass Besucher_innen sehr nah mit dem Ohr an die Flüstertüte herangehen müssen.

Die Vorgeschichte zu dieser Arbeit:

Das Alte Testament erzählt von Lot und seinen Töchtern. Es spricht von einem Mob, der sich an zwei Männern, die Gäste im Hause Lot waren, vergreifen wollte. Das Gastrecht hatte einen hohen Wert und um seine Gäste zu schonen, bot Lot seine jungen Töchter dem Mob an.

"Lot ging heraus zu ihnen vor die Tür und schloß die Tür hinter sich zu und sprach: Ach, liebe Brüder, tut nicht so übel! Siehe, ich habe zwei Töchter, die haben noch keinen Mann erkannt, die will ich herausgeben unter euch, und tut mit ihnen, was euch gefällt; allein diesen Männern tut nichts, denn darum sind sie unter den Schatten meines Daches eingegangen. Sie aber sprachen: Geh hinweg!"
 
In der Nacht befahl Gott Lot, mit seiner Familie aus der Stadt zu fliehen und sich nicht mehr umzudrehen. Gott wollte die beiden Städte Sodom und Gomorrha in Flammen aufgehen lassen. Lots Weib drehte sich dennoch um, denn sie wollte sehen. Dabei erstarrte sie zur Strafe zu einer Salzsäule. Lot zog allein mit den Töchtern weiter und ging gegen den Wunsch Gottes, der ihn in die Stadt Zoar leiten wollte, in ein einsames Gebirge.

"30 Und Lot zog aus Zoar und blieb auf dem Berge mit seinen beiden Töchtern; denn er fürchtete sich, zu Zoar zu bleiben; und blieb also in einer Höhle mit seinen beiden Töchtern.
31 Da sprach die ältere zu der jüngeren: Unser Vater ist alt, und ist kein Mann mehr auf Erden der zu uns eingehen möge nach aller Welt Weise;
32 so komm, laß uns unserm Vater Wein zu trinken geben und bei ihm schlafen, daß wir Samen von unserm Vater erhalten. (3. Mose 18.7)

33 Also gaben sie ihrem Vater Wein zu trinken in derselben Nacht. Und die erste ging hinein und legte sich zu ihrem Vater; und der ward's nicht gewahr, da sie sich legte, noch da sie aufstand."

Laut Niederschrift vergewaltigten dort die Töchter den alten Vater, damit sich ihr Wunsch nach einem Nachfolger erfüllen konnte. Die beiden Söhne, die sie gebaren, wurden die Stammhalter der beiden Volksstämme der Moabiter + der Ammoniter.

Die Arbeit verweist auf die abwesende Mutter, eine Mutter, welche erstarrt ist und keine Möglichkeit sieht, ihre Tochter zu schützen.