Krawatten sind mit den Seiten des Buches "Väter als Täter" beklebt. Zu lesen sind Textfragmente wie „ganz normale Familienväter“ oder „Kindheit“.
Krawattenbuch "Väter als Täter", das komplette Buch klebt an 16 Krawatten, die mit Fleischerhaken an einer Stange hängen.

Krawattenbuch Väter als Täter

1998
Krawatten, 3 Bücher: Väter als Täter, Kiss Daddy goodnight, Gegen unseren Willen


In einer frühen Arbeit von 1998 thematisiert Renate Bühn den Skandal der individuellen und gesellschaftlichen Untätigkeit. Das „nicht wissen wollen“ als gesellschaftlich akzeptierte Realität.

In den drei Arbeiten sind Krawatten mit den Seiten kompletter Bücher beklebt. Zu lesen sind Textfragmente wie „ganz normale Familienväter“ oder „Kindheit“. Die Krawatten hängen an Fleischerhaken aufgereiht an einer Stange, stumme Zeugen gesellschaftlicher Konventionen und Unterlassungen.

Für die drei Krawattenbücher „Väter als Täter“, „Kiss Daddy goodnight“, „Gegen unseren Willen“ nutzte Renate Bühn drei der ersten deutschsprachigen Bücher, mit denen schon Anfang der 1980er Jahre Fachwissen zum Thema veröffentlicht wurde, die bis heute Gültigkeit haben. Heute gibt es eine Vielzahl an Büchern zum Thema. Die Künstlerin sagt: „Heute kann niemand mehr behaupten, sie/er hätte nichts gewusst... Sexualisierte Gewalt ist kein Tabuthema mehr, Tabu ist die Identität der Täter und Täterinnen.“

Ein leerer Buchrücken mit ausgerissenen Seiten hängt an der Seite und konfrontiert uns mit der Frage der Künstlerin: „Wie ist es möglich, dass 30 Jahre Öffentlichkeit und Schweigen brechen, 30 Jahre Wissen um Ursachen und Ausmaß von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen [...] 30 Jahre ohne angemessene Konsequenz (bleiben) für die Schlussfolgerung, dass das Ausmaß der Betroffenen - auf das Ausmaß der Täter verweist. Bleibt die Wahrnehmung des Ausmaßes der sexualisierten und familiären Gewalt unerträglich?“