rosafarbene Silhouette eines männlichen Täters mit toten Fliegen beklebt
zweite Silhouette eines Täters mit toten Fliegen beklebt und gelblichen, aber durchsichtigen Lack überzogen

Der Vergewaltiger lebt

1999
Fliegen, Holz, Schellack, Acrylfarbe / 2 x 36 x 36


In der Arbeit „Der Vergewaltiger lebt“ greift Renate Bühn die Symbolik der Fliege wieder auf. Die Fliege, in der früheren Ikonographie auch als Sinnbild für Teufelswerkzeug verwendet, wird in ihren Arbeiten zu einem von Tätern kalkuliert eingesetzten Mittel, mit dem das Kind eingeschüchtert werden soll. Gleichzeitig stehen die Fliegen für den Ekel, den das Kind durch den sexuellen Missbrauch erlebt.

Sie erscheinen hier in einer bedrohlichen Präsenz, überwuchern aber nur das Innere des Profils. Das Gesicht, welches der Silhouette eine Persönlichkeit geben würde, ist mit toten Fliegenleibern und Farbe bedeckt und dadurch nicht mehr zu erkennen. Es ist zwar eindeutig männlich, aber anonym, nicht mehr wieder zu erkennen, so wie betroffene Kinder den Vater_Täter nicht mehr zu erkennen meinen.

Renate Bühn drückt mit dieser Arbeit den von Betroffenen täglich zu erlebenden Zynismus aus, dass ER weiterlebt wie bisher und zumeist in der Familie integriert bleibt.